Android ohne Google

Überblick

Kann ein Android-Smartphone ohne einen Google Account betrieben werden? Wie richtet man das Smartphone ein und welche Einschränkungen muss man in Kauf nehmen? Antworten auf die diese Fragen möchte in diesem Artikel geben.

Motivation

Smartphones erobern die Handtaschen der Menschen. Zum Konzept gehört es, dass die Geräte leicht zu bedienen sein und den Kunden möglichst eng an den Hersteller des Betriebssystems binden sollen. Der Anwender soll seine Anwendungen und Inhalte bei möglichst einem Anbieter erwerben. Um dem Verbraucher die Vorzüge der Technik schmackhaft und gleichzeitig komfortabel zu machen, wird ein ganzes Bündel an Einzelanwendungen zu einer homogenen Plattform verbunden. Diese wird dann ohne monetäre Kosten bereitgestellt. Bezahlt wird lediglich durch Datenschutzbestimmungen, die die weitreichende Verwertung der Nutzdaten ermöglichen. Gegen die Verwendung des so geschaffenen „goldenen Käfigs“ ist zunächst nichts einzuwenden. Schließlich investieren die Firmen sehr viel Geld in die ohne Nutzungsgebühr bereitgestellte Infrastruktur. Man muss sich aber bewusst sein, dass bei diesem Geschäftsmodell die Kosten auf einer anderen Ebene entstehen. Der Wert von Bewegungsprofilen, Kontaktdaten, Fitnessdaten und ähnlichem ist nicht zu unterschätzen.

Ungünstig werden solche Systeme, wenn es kein entrinnen gibt. Wenn also, der Käufer mit dem Kauf des Produkts in den goldenen Käfig gezwungen wird und ihm nicht entrinnen kann. Sinnvoller sind da offene Systeme, die dem Anwender die Wahlfreiheit geben mit welchen Anbietern ihre Produkte gekoppelt werden können. Bei denen der Anwender entscheiden kann, ob er Dienste mit seinen Daten oder mit Geld bezahlt.

Aktuell wird eine solche Wahlfreiheit nicht unmittelbar angeboten. Android als Open Source-Projekt eigens von Google ins Leben gerufen, wird mit jedem neuen Release aus o.g. Gründen Stück für Stück unfreier. Erreicht wird dies indem die neueren Versionen einzelner Apps eine andere Lizenz erhalten, die eben nicht mehr Open Source ist.

Dennoch bieten Android eine Open Source-Basis und damit die Möglichkeit einer Weiterentwicklung eines auf freier Open Source-Software basierenden App-Ökosystems. Auch bietet Android durch diese Open Source-Basis weiteren Markteilnehmern die Möglichkeit ebenfalls Weiterentwicklungen vorzunehmen und so eigene Distributionen auf Endgeräte zu bringen. Dies kann die Basis für eine Zukunft bieten, in der ein wirklicher Wettbewerb zwischen den Herstellern entsteht. Dieser würde dann dem Anwender wieder die Möglichkeit einer Entscheidung einräumen.

Wer schon heute die Abhängigkeit von Google mit seinem Android Smartphone reduzieren möchte, kann nun im Folgenden eine Anleitung dafür lesen. Die Anleitung hat bei meinen Geräten immer gut funktioniert. Dennoch kann ich keine Garantie für evtl. auftretende Datenverluste oder Fehlverhalten jedweder Art übernehmen. Alles was Sie tun geschieht auf Ihre eigene Verantwortung.

Schritt 1 - Einrichtung eines neuen Geräts

Als erstes sollte man auf dem Gerät nur die Konten einrichten (Google, herstellerspezifische Konten, etc.), die man wirklich haben möchte. Alle anderen Einrichtungsdialoge zum Anlegen dieser Konten sollte abgebrochen werden. Ein nachträgliches Einrichten ist normalerweise immer möglich. Somit verbaut man sich nichts wenn man sich ein wenig Bedenkzeit einräumt.

Im Anschluss daran ist in den Einstellungen im Menü „Sicherheit“ die Einstellung zu aktivieren, die die Installation von Apps aus unbekannter Herkunft erlaubt. Für ein Android-System ist jede Herkunft unbekannt, die anders als der Play Store ist. Das Zulassen dieser unbekannten Quellen wird von einem Warndialog begleitet. Dazu ist zu sagen, dass die Warnung ernst zu nehmen ist! Wer wahllos Apps von unbekannten Webseiten erwirbt, kann sich leicht ein schädliches Programm installieren. Dennoch ist die Annahme, dass es nur eine Bezugsquelle für Apps gibt, der man vertrauen kann, ebenfalls fragwürdig.

f-droid.org

Sinnvoll erscheint mir die Verwendung von f-droid. Dieser alternative Store enthält nur freie Open Source Software (FOSS). Ein Account ist für die Verwendung des Stores nicht notwendig. Jede bereitgestellte App wird durch die Betreiber des Stores aus den Quellen übersetzt und signiert. In diesem Zusammenhang werden auch Prüfungen durchlaufen und Warnungen zu Apps mit aufgeführt (z.B. Verfolgung der Aktivitäten, Werbung für unfreie Inhalte, etc.). Durch die Signatur wird sichergestellt, dass die App auch von der herausgebenden Stelle (in diesem Fall f-droid.org) stammt.

Zu beziehen ist dieser Store über die Seite f-droid.org. Folgen Sie der dort beschriebenen Anleitung.

Firefox Marketplace

Als weitere Store sollte Firefox dienen. Firefox selbst ist ebenfalls über den f-droid Store zu beziehen. Im Menü des Browsers befindet sich unter dem Menüpunkt „Extras“/„Apps“ die Möglichkeit den Marketplace zu öffnen. In diesem befinden sich rein auf HTML5 basierende Apps des FirefoxOS. Diese Apps lassen sich wie Android Apps auf dem Smartphone installieren. Eine Anmeldung an dem Marketplace ist ebenfalls nicht erforderlich

Schritt 2 - Deaktivieren von Apps

Jedes ausgelieferte Smartphone wird mit mehr oder weniger vielen Apps ausgeliefert. Diese lassen sich mit unter nicht deinstallieren. Häufig sind diese Apps vom Anwender unerwünscht. Zu allem Überfluss starten sich einige dieser Apps direkt mit den Systemstart.

Ein wirksames Mittel gegen diese Apps ist das Deaktivieren. Hierbei werden die Apps nicht deinstalliert, sondern lediglich abgeschaltet. Ohne ein erneutes Aktivieren lassen sich die Apps nicht mehr starten. Deaktivierte Apps sind auch nicht in der App-Übersicht aufgeführt. Somit wirken sie bis zur Reaktivierung wie deinstallierte Apps.

Einige Apps lassen sich über das Einstellungsmenü im Abschnitt „Apps“ deaktivieren. Wird eine App aus der Liste ausgewählt so erscheint eine Oberfläche über die die App beendet und auch deaktiviert wird.

Bestimmte Apps lassen sich über diesen Weg nicht deaktivieren. In diesem Fall hilft die App „DisableManger“ aus dem f-droid Store weiter. Mit dieser App lassen sich mit wenigen Ausnahmen die Apps deaktivieren.

Welche Anwendungen sollten deaktiviert werden? Zunächst einmal alle die Anwendungen, die auf mit dem Gerät ausgeliefert wurden und die nicht benötigt werden. Anschließend alle Apps die zum „goldenen Käfig“ gehören. D.h. Drive, Hangout, GMail, etc. Je weniger dieser Apps aktiv sind desto besser. Wichtig erscheint mir auch die Deaktivierung der Google Play Dienste und des Play Stores. Durch die Deaktivierung der Play Dienste sind einige Anwendungen nicht mehr lauffähig. Beispielsweise muss der Messenger Threema auf Polling umgeschaltet werden, da er normalerweise den Nachrichtenempfang über die Playdienste realisiert. Teilweise gibt es aber auch lauffähige Alternativen im Firefox Marketplace.

Schritt 3 - Dienste aufsetzen

Nachdem diverse Apps deaktiviert wurden stellt sich nun die Frage welche Alternativen gibt es? Es steht ihnen nun frei ihr Smartphone mit den Apps aus den genannten Stores zu füllen. Evtl. ist dies schon ausreichend. Wem dies nicht reicht kann sich aus meinem im Folgenden beschriebenen Weg Anregungen holen:

Der hier beschriebene Weg ist der, den ich beschritten habe. Er hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit vielmehr soll er ein mögliches Szenario darstellen und zu alternativ Szenarien anregen.

E-Mail

Selbst bei der E-Mail-App, die in jedem Android System vorhanden ist, lassen sich beliebige E-Mail-Konten einrichten. Die Verbindungsdaten für den Empfang der E-Mails sind bei jedem E-Mail-Dienstleister im Internet veröffentlicht. Soll eine alternative E-Mail-App verwendet werden, so steht in f-droid K9 zur Verfügung.

Kalender und Kontakte

Kalender und Kontakte gehören für mich nicht in das Internet. Diese persönlichen Informationen möchte ich örtlich begrenzen. Dazu betreibe ich einen CalDAV- und CardDAV-Server in meinem lokalen Netz. Zu solchen Servern gibt es viele OpenSource-Projekte. Ich verwende baikal. Diesen Dienst kann man auf einem Server im lokalen Netz installieren und das Smartphone und weitere Computer mit diesem Dienst verbinden (das ist die zu bevorzugende Lösung). Alternativ kann der Dienst auf einem Computer installiert werden, der dann laufen muss um Kalender und Kontakte zu synchronisieren.

Online Festplatte

Eine Online Festplatte auf die von überall zugegriffen werden kann, habe ich mit ownCloud realisiert. Dieser Dienst kann auf einer eigenen Domain installiert werden, die sich für wenig Geld im Monat mieten lässt. Bei dem Angebot sollte aber darauf geachtet werden, dass eine SSL-Verschlüsselte Kommunikation (https) möglich ist. Diese ist wichtig, damit die Daten auf dem Weg zwischen dem Smartphone und der Domain verschlüsselt transportiert werden. Wer trägt schon seine privaten Daten gut lesbar in der U-Bahn herum?

Schritt 4 - Was wenn es die App nur im Play Store gibt?

In diesem Fall gibt es nur den Weg einen Google-Account auf einem Gerät einzurichten und die App zu beziehen. Allerdings bietet f-droid die Möglichkeit lokale Repositiories einzurichten. Über diese können Apps von einem Gerät auf ein anderes übertragen werden. Hiermit können theoretisch auch im Play Store erworbene Apps an andere Geräte weitergegeben werden. Wodurch nicht alle Geräte mit einem Google Konto versehen werden müssen. Dies Möglichkeit hängt aber von den Lizenzbedingungen der einzelnen Apps ab. Spätestens bei kostenpflichtigen Apps wird diese Möglichkeit nicht mehr funktionieren.

Alternativ kann jedes Gerät mit einem eigenen Google-Konto versehen werden. Diese Möglichkeit erzwingt aber, das kostenpflichtige Apps mehrfach erworben werden müssen.

Es hängt hierbei gerade davon ab, ob auf die Apps aus dem Play Store verzichtet werden kann.

Fazit

Erst bei der Bereitstellung von Online Speicher fallen in meiner Lösung zusätzliche Kosten an. Allerdings bieten Telefonanbieter teilweise auch Cloudlösungen, die bereits im Telefonvertrag mit angeboten werden. Ein Blick in die Datenschutzbestimmungen zu diesen Cloudlösungen hilft bei der Entscheidung, ob dem jeweiligen Dienst vertraut werden kann oder nicht. Ob man in seinem lokalen Netz einen eigenen Server betreiben möchte, muss sich jeder selbst überlegen. Dieser kann helfen wieder eine Trennung von privat und öffentlich zu erzeugen. Ein vollständiger Entzug von Google ist so lange nicht möglich so lange die App-Anbieter ihre Inhalte nur im Play Store anbieten. Es spräche nichts dagegen wenn Anbieter zusätzlich zum Play Store ihre eigenen Stores anbieten würden (vgl. den Messenger Threema). Der Umweg über lokale f-droid-Repositories ermöglicht zumindest nicht auf jedem Gerät ein Google-Konto einzurichten, sofern die Lizenzbestimmungen der Apps dies zulassen.

Trademark-Informationen

Folgende Markennamen wurden in diesem Artikel verwendet:

Name eingetragene Marken von

Android™, Drive, Google,
GMail, Hangout,Play Store

Google Inc.

Firefox, FirefoxOS

https://www.mozilla.org/en-US/foundation/licensing/

Threema

https://threema.ch/de

ownCloud

https://owncloud.org/